Ist es wirklich falsch, meine Wut an meinen Kindern oder meinen Schüler:innen auszulassen?

Kürzer: Wut – ein Gefühl, das von starkem Ärger bis Zorn bestimmt ist und bei dem die Betroffenen häufig laut werden bzw. schreien.
Wut an den Schüler:innen bzw. Kindern in eben beschriebenem Sinne auszulassen, kann kurzfristig die gewünschte Wirkung erzielen – sie hören mit dem störenden Verhalten auf. Was aber in ihrem Inneren passiert ist sowohl für sie als auch für die Erwachsenen kontraproduktiv.

Meine ganz persönliche Biografie mit der Wut

Ich war der Jüngste von vier Jungen und Sohn von Eltern, die mit Emotionen nicht viel anfangen konnten. Da lernte ich: «Man darf nicht wütend sein!» Daher wurde ich fast nie wütend. Wenn es dann doch einmal so war, litt ich dann schnell darunter, kleiner und weniger stark zu sein.
Die Folge war, dass ich als junger Erwachsener merkte: ich verspürte zwar Wut, unterdrückte diese aber nach aussen. Zum Glück lernte ich mit der Zeit, meine Wut direkter und nicht verletzend auszudrücken.
Als junger Elternteil/Vater und Lehrer an der Ecole d’Humanité[1] hielt ich es für eine gute Idee, Kindern und Schüler:innen meine Wut von Zeit zu Zeit sehen zu lassen, solange ich es authentisch machte. Und das schien ziemlich effektiv zu sein. Kinder haben sich nicht mit mir angelegt, wenn ich wütend wurde. Ich betrachtete Wut als ein scharfes Schwert, das zur Wahrheit durchdringt.

Die Frage nach richtig oder falsch im Umgang mit der Wut

In diesem Blog geht es in einem ersten Schritt um uns Erwachsene und unsere Wut. Welche Rolle spielt unsere Wut in unserem Unterricht oder unserer Erziehung? Unter welchen Bedingungen ist sie nützlich – wann schädlich?
Was spricht dafür sie zu zeigen, was dagegen? Hier zwei sich widersprechende Aussagen:
Wut ist eine grundlegende menschliche Emotion, also sollten wir sie nicht unterdrücken. Oder?
Wut ist für viele Kinder eine beängstigende Emotion, also sollten wir sie nicht ausdrücken. Oder?
Welche Ansicht stimmt nun?
«Richtig oder falsch?» ist für mich nicht die richtige Frage, sondern … « wann und wie ist das Zeigen von Wut positiv und wann negativ? » Es ist keine Frage der Moral. Was für mich wichtig ist, sind die Auswirkungen unserer Wut.

Theoretisches, relevantes Hintegrund-Wissen von Expert:innen

In Kindern mehr zutrauen schreibt Michaeleen Doucleff, dass traditionelle Inuit niemals wütend auf ihre Kinder werden. Martha Tikivik erklärte: „Einem Kind gegenüber wütend zu werden, ist sinnlos. [Es] löst das Problem nicht. Es beendet lediglich die Kommunikation zwischen Kind und Mutter.»[2]

Laura Markham, Autorin von Peaceful Parent, Happy Kids, sagt: „Wenn wir Kinder anschreien, bringen wir ihnen bei, nicht zuzuhören.“, da sie sich inwendig schützen – und «zutun». Doucleff schreibt weiter, dass wir, wenn wir unsere Wut auslassen, dieses Verhalten unseren Kindern vorleben. Wir bringen ihnen bei, wütend zu sein! Markham stimmt zu: „Kinder lernen emotionale Regulierung von uns.“[3]

Auch der dänische Erziehungsexperte Jesper Juul spricht sich dagegen aus, Wut auszulassen, die seiner Meinung nach oft als Form von Gewalt erlebt wird. „Je erfolgreicher Eltern sich um die Integrität eines Kindes kümmern, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind ein gesundes Selbstwertgefühl entwickelt. Gewalt ist ein Eingriff in die Integrität von Kindern und damit schädlich für ihr Selbstwertgefühl.“ Juul fügt hinzu, dass die Wut von Erwachsenen oft traumatisierend für Kinder ist.[4]

Daraus folgt, dass unsere Wut

  1. nicht unser Problem löst, sondern der Kommunikation mit dem Kind/Schüler:in schadet.
  2. Kindern beibringt, nicht zuzuhören.
  3. Wut vorlebt, anstatt emotionale Regulierung beizubringen.
  4. die Integrität von Kindern/Schüler:innen verletzt und ihr Selbstwertgefühl schädigt.
  5. traumatisierend sein kann.

Die Expert:innen sind sich einig: Die Auswirkungen von Wut sind negativ, sowohl für die gesunde Entwicklung des Kindes als auch für die Beziehung zum Kind. In Positive Discipline lernen wir, dass Kinder ein Gefühl der Zugehörigkeit und Wichtigkeit brauchen, um zu gedeihen und sich gut zu entwickeln.
J. Juul sagt es so:


„Unser Bedürfnis, uns von den Menschen geschätzt zu fühlen, die wir lieben und die uns wichtig sind, ist ein tief verwurzeltes menschliches Bedürfnis.“[5]


Wenn wir Erwachsenen wütend mit ihnen werden, bekommen Kinder und Schüler:innen die unbewusste Botschaft, dass sie nicht wertgeschätzt werden, dass sie nicht dazugehören und uns nicht wichtig sind.

Was können wir mit unserer Wut anfangen?

Wie können wir Erwachsenen dann mit dieser grundlegenden menschlichen Emotion (die ja so destruktiv sein kann) umgehen, wenn sie auftaucht?! Ich bin sicher, dass du bereits einige eigene Lieblingsmethoden hast, um deine Wut zu bändigen, wenn du spürst, dass sie aufsteigt. Schon das Wissen, dass es eine schlechte Idee ist, aus Wut gegenüber deinen Schüler:innen oder Kindern zu handeln, kann hilfreich sein. Hier sind drei Ideen, die du deinem Repertoire hinzufügen kannst:

  • dich abwenden und etwas Beruhigendes zum Anschauen finden. Tief durchatmen.
  • es nicht persönlich nehmen. Sie sind jung und haben sozial hilfreiches Verhalten noch nicht gelernt. Es ist deine Aufgabe, es ihnen beizubringen. Fange jetzt damit an, ihnen die Selbstregulierung vorzuleben.
  • sagen: „Ich bin wütend, also muss ich den Raum verlassen. Wir können darüber reden, wenn wir beide wieder ruhig sind.“ Sage dies in einem neutralen Ton und so ruhig wie möglich.

In einem früheren Blog habe ich einen Artikel von Jane Nelsen, Gründerin von Positive Discipline, übersetzt. Dieser Artikel hat weitere hilfreichen Gedanken zu diesem Thema. Hier der Link: https://connections-eb.com/blog/die-kontrolle-ueber-dein-verhalten/

Fazit

Zu diesem Thema gibt es noch so viel zu schreiben! Ich hoffe, dass genau diese „Unvollständigkeit“ in meinem Beitrag in dir weiter arbeitet. So freue ich mich über deine Fragen und Kommentare. Ich werde auf jede E-Mail persönlich antworten.

Abschliessend möchte ich hinzufügen: Sei liebevoll mit dir selbst! Es braucht Übung, deine Wut immer im Griff zu haben – vor allem wenn du das Gefühl hast, dass eine Situation im Klassenzimmer oder in der Familie ausser Kontrolle geraten ist. Wenn du ausflippst, besprich es mit den Betroffenen - später. Entschuldige dich und sprich mit der Klasse oder Familie darüber, wie ihr solche Situationen in Zukunft vermeiden könnt. Den Mut zu haben, dich zu entschuldigen und aus deinen Fehlern zu lernen, ist eine wunderbare Fähigkeit, die du den jungen Menschen vorleben kannst! – und das Schönste: Häufig ist nach einer Entschuldigung die Beziehung besser als zuvor.

Ich höre oft das Feedback, dass ich immer so ruhig bin und dass sich die Menschen bei mir sicher fühlen. Das ist ein grosses Kompliment, gerade weil es nicht immer so war.


Der nächste Blog: ihre Wut!

Vielleicht fragst du dich: Alles schön und gut mit meiner Wut, was aber mit der Wut der Kinder und Schüler:innen? Sie sind es ja, die oft wütend werden! Just das wird im nächsten Blog näher erläutert: Wie gehen wir mit ihrer Wut um, ohne alles noch schlimmer zu machen, ohne dass unsere Beziehung kaputt geht?


[1] Die Ecole d’Humanité ist das international Internat an dem ich 18 Jahre lang unterrichtet und mit 10 Jugendlichen als Betreuer gelebt habe. Dazu war ich in der Schulleitung. Siehe https://connections-eb.com/ueber-uns/#kc-hill

[2] Kindern mehr zutrauen, von Michaeleen Doucleff, S. 173. ISBN 978-3-466-31152-1

[3] Kindern mehr zutrauen, von Michaeleen Doucleff, S. 175. ISBN 978-3-466-31152-1

[4] Von der Webseite The Natural Child Project, https://www.naturalchild.org/articles/guest/jesper_juul.html Artikel: Violence is Violence (Gewalt ist Gewalt)

[5] Vom Family Lab Magazine 1st Issue. https://issuu.com/hansso/docs/fla_magazine-01-preview/s/10912611


Kindern mehr zutrauen

Ich bin seit langem ein Fan davon, Kindern Jobs und Verantwortung zu geben. Um sich wohlzufühlen, müssen sich Kinder gebraucht fühlen. Und doch überarbeiten sich viele Eltern damit, Dinge für ihre Kinder und für die Familie zu tun, die den Kindern beigebracht werden könnte – die die Kinder selbst tun könnten und dabei viel Wichtiges lernen könnten.

Von indigenen Völkern lernen

Michaeleen Doucleff schreibt In ihrem Buch «Kindern mehr zutrauen–Erziehungsgeheimnisse indigener Kulturen» [1] darüber, wie erfolgreich Eltern in indigenen Kulturen sind, ihre Kinder zu mittragenden Familienmitglieder zu erziehen. Dieses Buch hat mich fasziniert, weil Doucleff so sehr persönlich von ihren Herausforderungen mit ihrer Tochter schreibt! Es ist leicht und unterhaltsam zu lesen – ich empfehle es Eltern wärmstens.

Doucleff schreibt, dass sich unsere Kultur in den letzten 200 Jahren von den Erziehungsmethoden entfernt hat, mit denen sich die Menschen in Zehntausenden von Jahren entwickelt haben. Sie besuchte eine Maya-Gemeinde in Mexiko, eine Inuit-Gemeinde in Kanada und eine Hadzabe-Gemeinde in Tansania und entdeckte bemerkenswert ähnliche Erziehungstechniken. Was ihr auffiel, war, wie hilfsbereit die Kinder und Jugendlichen in diesen Gemeinschaften waren! Und als sie diese Kinder fragte, warum sie so viel im Haushalt machten, sagten sie stolz: «Wir werden gebraucht!», und dass sie es genossen, hilfsbereit zu sein (= sich gebraucht zu fühlen!).

Doucleff sah keine Hausarbeitspläne an den Wänden oder Kühlschränken hängen. Stattdessen sah sie Kinder, die von der Schule nach Hause kamen und den Abwasch machten, ohne dass ihnen etwas gesagt wurde. Sie sah Sechsjährige, die beim Zubereiten der Mahlzeiten halfen. Sie sah ältere Brüder und Schwestern, die sich um jüngere kümmerten und ihnen neue Fähigkeiten beibrachten. «Kindern mehr zutrauen – Erziehungsgeheimnisse indigener Kulturen» beschreibt hervorragend, wie diese Eltern ihre Kinder erziehen, dass sie so hilfreich werden.

Was wir tun sollen: (ich verrate mal einen Punkt)

In diesem kurzen Blog werde ich dir nur einen Vorgeschmack auf das geben, was in dem Buch steht. Eltern arbeiten so viel wie möglich mit ihren Kindern. Kinder interessieren sich von Natur aus dafür, was die Erwachsenen tun, also ermutigen diese Eltern die Kinder mitzumachen, auch wenn das die Arbeit länger und schwieriger macht. Sie wissen, dass diese Zeit und Mühe sich auszahlen werden.

Was wir nicht tun sollen: (Ich verrate mal 3 Punkte.)

  • Diese Eltern kritisieren Ihre Kinder nicht. D.h., sie sagen den Kindern nicht, was sie nicht richtig gemacht haben. – Warum? Weil es darum geht, die Kinder zu ermutigen, helfen zu wollen und selbst zu lernen.
  • Diese Eltern lassen unvollkommene Arbeiten der Kinder. D.h., sie machen die Arbeit nicht noch einmal selbst, wenn die Kinder sie nicht richtig gemacht haben. – Warum? Weil das signalisiert, dass der Beitrag des Kindes nicht geschätzt wird. Lass den Boden etwas schmutzig sein, nachdem das Kind gesaugt hat! Lass das gefaltete T-Shirt in der Schublade klumpig aussehen!
  • Diese Eltern geben keine/wenige Bewertungen ab! D.h., sie loben die Kinder nicht für ihre großartige Arbeit. Ein einfaches, kurzes „Danke“ genügt. – Warum? Weil es normal ist zu helfen. Und weil Kinder ohne das Lob von aussen mehr Motivation von Innen (intrinsisch) entwickeln.

Diese Eltern haben kein Bedürfnis, ihre Kinder zu unterhalten. Doucleff schreibt, dass sie damit aufgehört hat, ihre Tochter zu kindzentrierten Aktivitäten mitzunehmen (solche, die die Erwachsenen nicht einmal Spaß machen). Stattdessen verbringen die Eltern und die Tochter den Samstagmorgen damit, das Haus zu putzen und gemeinsam die Wäsche zu waschen, um das Gefühl der Zugehörigkeit und Wichtigkeit ihrer Tochter zu stärken.

Es war mir eine Freude aus diesem Buch zu lernen, wie die Botschaften von Positive Discipline in der uralten Erziehungsweisheit unserer Vorfahren verankert sind!

Ich schliesse mit einem Zitat aus «Kindern mehr zutrauen» (Seiten 346-347):

«In den USA (und vielleicht in ein paar anderen Ländern? 😏-kc) setzen sich die Eltern selbst unter den enormen Druck, ihre Kinder «optimieren» zu müssen. Dazu gehört häufig auch, dass sie den Tag der Kinder mit unablässigen Aktivitäten oder ständiger Unterhaltung anfüllen wollen. … Dadurch bürden wir uns selbst sehr viel auf, nicht zuletzt die Angst, den eigenen Anforderungen nicht gerecht zu werden. … Unsere reflexartige Reaktion besteht in maximalem Eingreifen.

«Durch das minimale Eingreifen kommt es nicht nur weniger zu Konflikten, es verschafft Kindern darüber hinaus auch jede Menge Gelegenheiten, sich im Alleinunterhalten und in der Selbstbeschäftigung zu üben. … Wenn Eltern nicht ständig die Aufmerksamkeit des Kindes einfordern und kontrollieren, dann fordert umgekehrt auch das Kind nicht ständig die Aufmerksamkeit der Eltern ein.»

Gerne verrate ich im nächsten Blog ein paar Punkte mehr, was wir als Eltern tun und lassen sollten und wie wir damit Konflikte vermeiden können. Und eines steht fest:  die Positive Discipline hat eine stolze Vorgeschichte, mit Methoden, die sich über tausende von Jahren bewährt haben.

Ich freue mich, deine Erfahrungen bei der Umsetzung der obigen Punkte zu erfahren. Schreibe mir doch auf kc.hill@connections-eb.com .

[1] Originalausgabe 2021 unter dem Titel “Hunt and Gather Parent – What Ancient Cultures Can Teach Us About the Lost Art of Raising Happy, Helpful Little Humans


Den Kindern mehr Verantwortung übergeben

Mein Kollege und Freund Markus Schulte-Hoetzel schickte mir kürzlich ein Buch mit dem Titel „Mit Kindern in Frieden leben – die Kunst im richtigen Moment das Richtige zu tun“, von Schoenaker, Schoenaker und Platt. Die Autoren sind bekannte Anwender der von Alfred Adler und Rudolf Dreikurs gegründeten „Individualpsychologie“. Du erinnerst dich vielleicht, dass Positive Discipline ebenfalls auf dem Lebenswerk von Adler und Dreikurs basiert. Daher war ich neugierig zu lesen, wie ähnlich oder unterschiedlich die Ansätze sind. Es war, als würde man die gleiche Sprache mit einem anderen Akzent hören: im Grunde identisch, aber mit einer etwas anderen Musik.

 

Besonders wichtig war für mich zu sehen, wie viel Wert im Buch darauf gelegt wurde,  schon so früh wie möglich Verantwortung an junge Kinder zu übergeben. Hier ist eine Passage von Seite 52, die du meiner Meinung nach interessant und wertvoll – und möglicherweise auch provokant – finden wirst.

Auf jeden Fall ist es besser für Sie und besser für die Entwicklung der Kinder, wenn wir mehr abgeben. Sie übernehmen zu viel Verantwortung. In vielen Familien sind die Hausaufgaben ein tägliches Drama, weil die Eltern die Verantwortung dafür übernehmen, dass die Kinder ihre Hausaufgaben machen. Eltern sind nicht verantwortlich dafür. Die Eltern haben beschränkte Verantwortungen. Die Eltern haben die Verantwortung, dass das Kind einen Wecker hat und sie müssen dem Kind beibringen, wie es ihn bedienen kann. Der Rest, das Aufstehen, ist die Verantwortung des Kindes. Die Eltern tragen die Verantwortung dafür, dass das Essen auf den Tisch kommt, aber sie tragen nicht die Verantwortung dafür, dass das Kind isst. Die Eltern haben die Verantwortung dafür, dass das Kind ein Zimmer und ein Bett hat, aber sie tragen nicht die Verantwortung dafür, dass das Kind schläft. Die Eltern haben die Verantwortung dafür, dass das Kind ein Turnsäckchen hat, aber nicht dafür, dass das Kind das Turnsäckchen mit in die Schule nimmt. Die Eltern, auch von jungen Kindern, haben die Verantwortung dafür, dass das Kind auf die Uhr schauen kann, wie spät es ist, aber nicht dafür, dass es pünktlich in die Schule kommt. Das ist ein grosses Aufgabengebiet in der Erziehung. Geben Sie so viel Verantwortung ab, wie Sie nur können und tun Sie so wenig für das Kind, wie es nur einigermassen geht. Die Verantwortung lassen Sie dort, wo sie hingehört.

“Wenn Sie die Verantwortung des Kindes übernehmen, signalisieren Sie dem Kind, dass sie dem Kind nicht zutrauen, dass es das kann. Das wirkt entmutigend. Und irgendwann fühlen Sie sich dann ungerecht behandelt, weil das Kind nichts tut und Sie immer alles machen müssen.”

 

Diese Autoren setzen sich wirklich dafür ein, dass sich junge Menschen fähig und wichtig fühlen! Am Ende des Buches befinden sich 6 Seiten voll mit Jobs, die Kinder in verschiedenen Altersstufen erledigen können. Die Liste soll zeigen, was Kinder tun können, behauptet aber nicht, dass man von Kindern erwarten sollte, dass sie alle tun! Hier sind ein paar wenige Beispiele aus den Seiten 153-158.

 

Zwei Jahre alt oder jünger

  • Sammelt unbenutztes Spielzeug ein und legt es weg.
  • Fegt den Fussboden mit einem kleinen Besen.
  • Wischt auf, was es vergossen und hebt auf, was es fallen lassen hat.

Vier Jahre alt

  • Stellt Gedeck auf den Tisch, auch Porzellangeschirr.
  • Füttert regelmässig die Haustiere nach Plan.
  • Macht einen Salat.

Fünf Jahre alt

  • Macht einfaches Frühstück und wäscht anschliessend ab.
  • Deckt den Mittagstisch.
  • Bringt den Müll aus.

Sechs Jahre alt

  • Giesst Blumen und Pflanzen.
  • Schält Gemüse.
  • Breitet einfaches Essen zu (kocht Eier, macht Toast).

Sieben Jahre alt

  • Ölt und säubert sein Fahrrad und schliesst es ab.
  • Verwaltet selbst kleine Geldbeträge.
  • Bügelt einfache, glatte Stücke.

Acht und neun Jahre alt

  • Moppt und poliert den Fussboden.
  • Näht Knöpfe an.
  • Fängt an, Rezepte zu lesen und für die Familie zu kochen.

Neun und zehn Jahre alt

  • Bezieht Betten neu und legt gebrauchtes Bettzeug in den Wäschekorb.
  • Kauft Lebensmittel nach einer Liste selbständig ein und macht ähnliche Einkäufe.
  • Lernt den Umgang mit einem Bankkonto.

Zehn und elf Jahre alt

  • Verdient eigenes Geld durch Babysitting oder ähnliches.
  • Fährt allein mit dem Stadtbus.
  • Wenn es bei Freund*in übernachtet, packt es den Koffer selbst.

Elf und zwölf Jahre alt

  • Wird Mitglied in Jugend- oder Sportclubs, erledigt Verpflichtungen, nimmt an Veranstaltungen teil, übernimmt Leitungsfunktionen.
  • Stellt selbst einen Plan für Schularbeiten auf.
  • Prüft das Öl im Auto und füllt bei Bedarf nach.


Kind weicht Konflikt aus und läuft weg

Neulich kam eine Frage in einem Elternkurs auf, die ich recht lehrreich finde und die ich heute mit euch teilen möchte.

Die Situation: Die Eltern wollen etwas
wichtiges mit dem Kind besprechen und das Kind weicht aus in dem es davonläuft.

Die Frage: Wie sollen die Eltern reagieren? Sie wollen (und können) das Kind nicht zu einem Gespräch zwingen und wollen auch nicht, dass das Kind lernt, das es mit diesem Verhalten Macht und Erfolg gewinnt.

Überlegen wir uns, was wir schon von der Erziehung in Beziehung wissen. Wie kann uns Positive Discipline helfen, das Kind zu verstehen, damit wir eine zielführende Handlung finden? Wir sehen das Verhalten, also die Spitze des Eisbergs. Können wir auf den (wahrscheinlich unbewussten) Beweggrund kommen?

Irgendwie muss das Kind denken, dass etwas Unangenehmes passieren wird, wenn es fürs Gespräch bleibt. Es glaubt nicht, dass es ein Gefühl von Zugehörigkeit und Wichtigkeit erleben wird, und läuft lieber weg. Es ist entmutigt. Kann uns die Tabelle der falschen Ziele helfen? Wie können wir das Kind so ermutigen, dass es vertraut, dass so ein Gespräch eher aufbauend sein wird? Wahrscheinlich braucht es Zeit und neue Erfahrungen, die es dem Kind beweisen.

Gespräche müssen nicht bedeuten, dass das Kind sich nachher getadelt fühlt, sondern dass seine Meinung gefragt wird, dass seine Gefühle verstanden werden und dass alle (auch die Erwachsene) respektvoll und liebevoll behandelt werden. Ein Kind, das davonläuft, glaubt das noch nicht. Der regelmässige Familienrat, mit vielen Wertschätzungen können ein Anfang sein. Vielleicht sollen im Familienrat eine Zeit lang keine Probleme von den Eltern gebracht werden, sondern nur von den Kindern. Und wenn die Kinder keine bringen, gibt es trotzdem die Komplimentenrunde, Organisatorisches, und am Schluss auf jeden Fall etwas Schönes – ein Spiel zum Beispiel.

Aber was macht man jetzt, in dem Moment als das Kind davonläuft? Vielleicht sagen,
«Ich sehe, dass du nicht bereit bist, jetzt darüber zu sprechen. Das kann ich respektieren.»
Und nachher darauf zurückkommen, wenn man merkt, dass das Kind gut drauf ist.
“Ich brauche deine Hilfe, um das Problem, das wir hatten, zu lösen. Du hast oft gute Ideen. Was denkst du, wie wir mit der Situation in Zukunft anders umgehen könnten?»
Sagt das Kind, «Keine Ahnung» kann man fragen,
«Ich hätte eine Idee – möchtest du sie hören?»

Das nächste Mal kann man das Davonlaufen vielleicht vorbeugen mit der Frage: «Bist du bereit, jetzt darüber zu reden?»

In diesem Blog geht es um die Grundidee der Positive Discipline, «entmutigte Kinder sind störende Kinder». Das störende Verhalten können wir als Aussage des Kindes verstehen:
«Es geht mir nicht gut. Ich bin entmutigt und möchte dazugehören.»
Es dann zu bestrafen oder zu tadeln – so schlimm das Verhalten war – wird das Kind umso mehr entmutigen und uns umso weiter von den Zielen, die wir für unsere Kinder haben, bringen.


Familienrat –Sprungbrett für ein gutes Miteinander

Familienrat:


«Das ist ein geniales Tool», sagen ehemalige Kursteilnehmende von mir.
Ich höre jedoch immer wieder von bestimmten Problemen, die in Familien auftauchen, zum Beispiel:.

  1. Die Sitzungen dauern mit einer Stunde zu lange.
  2. Die Kinder melden ihre Probleme nicht für den Familienrat.
  3. Die Lösungen, die im Familienrat getroffen werden, helfen nicht.
  4. Kinder finden es langweilig und Teenager finden es dumm.

Damit Familienrat gelingt, müssen ein paar wichtige Aspekte beachtet werden – just darum geht es heute.

Beginnen wir damit, uns an die Gründe für den Familienrat zu erinnern. Unsere Ziele im Auge zu behalten hilft zu sehen, ob unser Handeln mit unseren Werten übereinstimmt. Hier ist eine kurze Liste der Gründen, warum man den Familienrat durchführt:

  • Schafft den Raum, wo sich alle Familienmitglieder zugehörig und wichtig fühlen können
  • Bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, Folgendes zu lernen:

o   Wertschätzungen geben und entgegennehmen.
o   ihre Meinung zu äußern.
o   effektive und effiziente Lösungen für echte Probleme zu finden.
o   dass Fehler wunderbare Gelegenheiten zum Lernen sind.
o   die Meinungen anderer zu respektieren.

Das sind ausgezeichnete und wichtige Gründe! Mit diesen im Kopf weisst du, dass es sich lohnt, dein Möglichste zu geben, den Familienrat in den Wochenplan zu einzubauen. (Kathleen und ich machen immer noch den Familienrat, auch wenn wir nur noch zu zweit leben!)

Jetzt zu den oben-genannten 4 Problemen folgende Tipps und Tricks:

  1. Halte den Familienrat kurz! 10-20 Minuten. Was nicht dran kam wird auf die nächste Woche verschoben.
    a. Für Familienmitglieder ist es besser, das Gefühl zu haben, dass das Treffen zu kurz war, als umgekehrt!
    b. Wenn ihr unbedingt mehr Zeit braucht, dann lass entweder alle zustimmen, 5 Minuten zu verlängern, oder findet unter der Woche Zeit, um die Diskussion fortzusetzen.
  2. Lass die Kinder die Probleme, die es zu besprechen gibt, bringen. In manchen Familien haben Kinder das Gefühl, dass die Treffen einfach eine Tadeleinrichtung sind. Bringe deine Probleme zu einer anderen Zeitpunkt zur Sprache und am Besten so, dass sich die Kinder wertgeschätzt und nützlich fühlen.
  3. Wenn eine im Familienrat vereinbarte Lösung nicht funktioniert, ist das in Ordnung! Bleib zuversichtlich, dass ihr als Familie früher oder später eine Lösung für das Problem finden werdet.
  4. Denke daran, den Familienrat mit Wertschätzungen zu beginnen und nachher mit einer lustvollen Familienaktivität zu enden, wie ein Spiel, ein Lied, ein Dessert, eine Fernsehsendung usw.

​​​Ich hoffe, dieser Blog motiviert dich, den Familienrat wieder aufzunehmen wenn du damit aufgehört hast, und bestärkt dich in deiner Überzeugung für dieses kräftigste aller Positive-Discipline-Werkzeuge.


Sprungbrett fürs dynamische Zusammenleben nach den Ferien

​Abschluss der Sommerferien: Wie wollen wir diese mit unserer Familie gut abschließen und was kann uns helfen, das neue Schuljahr positiv zu starten?

1. Rückblick auf den Sommer

Ich bin immer positiv überrascht, wenn wir uns die Zeit nehmen, jede Person in unserer Familie von ihren Erfahrungen erzählen zu lassen. Ich lerne so viel! Ich erfahre, wie unterschiedliche Menschen über dasselbe Ereignis empfinden und ich lerne Dinge, die ich zuvor nicht wusste. Eine solche „Reflexionsrunde“ könnte man mit „Welche zwei Erinnerungen habe ich aus diesem Sommer, die mir bleiben?“ beginnen. Oder: «Was möchtest du in unseren nächsten Familienferien wieder machen, was war schön? Was war für dich weniger schön? Was könnten wir anders machen und wie?»
Eine weitere Runde, die ich sehr empfehlen kann, ist das Urlaubssprungbrett. Jede Person in der Familie macht jeder anderen Person ein Kompliment oder ein Dankeschön für etwas, was diese Person im Urlaub getan hat.
Den Urlaub als Familie zu reflektieren ist eine tolle Möglichkeit, das positive Familiengefühl zu stärken und die Erinnerungen an die gemeinsamen Erfahrungen zu verankern.

2. Ausblick auf das Schuljahr Bild


Zu einem späteren Zeitpunkt könnte sich die Familie treffen, um das kommende Schuljahr zu besprechen. Fragen, wie jede Person den Gedanken an den Wiedereinstieg in die Schule/Arbeit empfindet. Was bereitet Freude, was eher SorgeDies ist auch ein guter Moment, 1-2 Ziele zu setzen. Kinder sind normalerweise bereit, mit neuer Energie und guten Vorsätzen in ein neues Schuljahr zu starten. Hilf ihnen, diese Absichten zu verbalisieren und ihnen bewusster zu machen. Sie könnten auch auf einem Familienposter verschriftlicht werden. (Foto: Tourismus Interlaken)
Bild

​3. Erhöhte Verantwortung im Haushalt

Die Kinder sind ein Jahr älter und um ein Jahr kompetenter. Wichtig ist zu besprechen, welche Verantwortung sie bereit sind, von den Eltern abzunehmen! Was tut ihr Eltern für die Familie, was die Kinder tun könnten? Wahre Verantwortung zu haben, hilft Kindern, sich fähiger und gebraucht zu fühlen, was zu dem Gefühl der Zugehörigkeit und Sinnhaftigkeit führt, das für ihre gesunde, eigenständige Entwicklung von zentraler Bedeutung ist.

4. Bildschirmzeit-/Gerätevereinbarungen überprüfen

Der Zugang zu digitalen Geräten ist heute eines der wichtigsten und herausforderndsten Themen in Familien. Der Challenge ist auch, dass die digitale Welt sich ständig ändert. Und wenn die Kinder älter werden, ändert sich auch der angemessene Einsatz dieser Geräte. Am 19. Oktober halte ich einen Themenabend zum Thema digitale Geräte. Hier ist ein Link. Wenn du vorher Hilfe benötigst, rufe mich für eine Beratung an.
Haben Ihre Vereinbarungen im letzten Schuljahr gut funktioniert? Es lohnt sich häufig, diese noch einmal zu besprechen und das Schuljahr mit neuen Abmachungen zu beginnen.

Wettbewerb:
Ich freue mich, über deine Erfahrungen mit beim Rückblick- und Ausblickmachen mit der Familie. Am 27. August werde ich die Eingänge verlosen und drei davon ziehen, die einen Gutschein an einen Themenabend im Wert von 30 CHF erhalten. Die Gewinner werden im nächsten Mail (nach Wunsch auch nur mit den Initialen und dem Wohnort) bekannt gegeben.


Kind weigert sich wenn es Zeit ist zu gehen.

Ist es dir auch schon passiert, dass ein Kind sich geweigert hat, das zu tun, was du von ihm verlangt hast? Im heutigen Blog erzählt eine Mutter, was sie eines Abends mit ihrem 5-jährigen Kind erlebt hat. Es war nicht schön! Die Verweigerung führte zu einem Machtkampf und der Machtkampf zum Rachezyklus. Wie kann man in so einer Situation handeln, damit das Kind das Notwendige tut und der Frieden bewahrt wird? Es gibt einige guten Möglichkeiten! Aber ich will nicht vorgreifen. Lassen wir die Mutter erzählen – und Jane Nelsen antworten.
Link zum Originaltext auf Englisch: Jane’s Blog

​Geniesse die Lektüre! -KC

Frage:
Ich bin eine alleiner-ziehende Mutter und habe einen 5-jährigen Sohn namens Sean. Gestern Abend habe ich ein Seminar mit Jane Nelsen besucht, nachdem ich den ganzen Tag gearbeitet hatte. Während ich auf dem Seminar war, war Sean in einer Kindertagesstätte (Klubhouse), die bis in den späten Abend geöffnet ist. Sean liebt es dort und er liebt die Tagesmutter. Mein Problem ist, dass ich immer einen Machtkampf mit ihm habe, wenn es Zeit ist zu gehen, sei es vom Klubhouse, von seiner Tagesmutter oder vom Park – egal von wo.

Ich habe es mit «Konsequenzen» versucht, also ihm ein übliches Privileg (Geschichtenzeit, Gutenachtlieder, ein Lieblingsspielzeug usw.) zu entziehen. Es funktioniert nicht immer und es funktioniert nie, wenn ich zum ersten Mal frage. Besonders schlimm war es gestern, das Klubhouse zu verlassen – ich weine, während ich dir das erzähle. Als ich gestern Abend ankam, um ihn zu holen, fragte Sean, ob er noch 2 Minuten bleiben könne, um Nintendo zu spielen. Ich stimmte zu. Während dieser 2 Minuten bezahlte ich die Rechnung und benützte die Toilette. Dann sagte ich zu Sean: «Okay, Schatz, deine 2 Minuten sind abgelaufen. Zeit zu gehen.» Darauf antwortete er: «Ich möchte noch mehr spielen – nur noch einmal.» Ich sagte nein und als er die Spielkonsole nicht verlassen wollte, schaltete ich sie aus und sagte: «Sean, es ist Zeit zu gehen. Der Laden schliesst jetzt.» (Was stimmte). Also stand er auf und ging erst Richtung Haustür, rannte dann aber in den Fernsehraum, in dem ein Film lief. Also schaltete ich den Fernseher aus (er fing an zu kreischen) und sagte ihm, er könne sich einen Zeichentrickfilm ansehen, sobald wir zu Hause sind. Darauf kauerte Sean einfach in der Ecke und sagte: «Ich will nicht nach Hause gehen.» Du siehst, in was für einer Situation ich mich befand.
​Ich musste ihn schliesslich hoch heben – tretend, schreiend und weinend – zum Auto tragen und, da er nicht in seinen Autositz steigen wollte, musste ich ihn hineinzwingen. Er ist ein typischer 5-jähriger, das war also keine Kleinigkeit. Während ich losfuhr, sagte er: «Du bist wirklich dumm! Ich liebe dich nicht! Ich werde dir das Gesicht abreissen, damit du stirbst!» Er fuhr ungefähr zwei Kilometer lang mit «Du bist dumm» fort. (Dieses Wort ist in unserem Haus nicht erlaubt – also weiss er, dass er mich damit in Rage bringt.) Bis wir die Autobahn erreichten, hat er abwechslungsweise geweint und mich dumm genannt. Ich flippte aus und gab ihm eine Ohrfeige und sagte ihm, er solle die Klappe halten und mit dem Gerede aufhören. Er weinte dann unkontrolliert und für die kurze Fahrt auf der Autobahn schrie er nur und ich war nahe dran, in Tränen auszubrechen. Als wir nach Hause waren, schnallte ich ihn ab und fragte, ob er mit mir kuscheln wolle, was er auch tat. Er schluckte und weinte einige Minuten lang auf meiner Schulter. Ich sagte ihm, dass es mir leid tat, dass ich ihn geschlagen hatte. Wir haben dann gemeinsam eine Auszeit im Schaukelstuhl genommen. Der Rest des Abends verlief ereignislos und wir gingen beide kurz danach ins Bett.

Wie kann ich solche Kämpfe vermeiden? Ich kann ihn nicht «bleiben» lassen, wenn ein Ort schliesst. Ich gebe ihm ständig «noch 2 Minuten» für alles. Das Ganze bringt mich so weit, dass ich aus Angst vor solchen Auseinandersetzungen, nicht mehr mit ihm in die Öffentlichkeit gehen möchte.

Bitte hilf mir.

Angie
Antwort:
Angie, ich möchte mit dir weinen. Ich habe das selber erlebt und weiss, wie schrecklich es sich anfühlt. Deshalb bin ich so dankbar, dass ich die Methoden der Positive Discipline gefunden habe.

Während meines Vortrags hatte ich erklärt, dass ein «sich schlecht benehmendes Kind ein entmutigtes Kind ist». Aber ich hatte keine Zeit, mich mit den vier falschen Zielen des Verhaltens zu befassen: unangemessene Aufmerksamkeit, fehlgeleitete Macht, Rache und vermutete Unzulänglichkeit. Ich werde mir jetzt keine Zeit nehmen, mehr über diese Ziele zu sagen, aber du kannst auf unserer Website nach «falschen Zielen» suchen und viele Informationen dazu finden – und in unseren Büchern gibt es die Tabelle der falschen Ziele. Ich hoffe, du befasst dich intensiver mit den falschen Zielen, damit du meine Vorschläge noch besser verstehst.*

Es ist für dich offensichtlich, dass du in einen Machtkampf verwickelt bist – einen, der in dem beschriebenen Fall zu einem Rache-Zyklus eskalierte. Und du hast bereits gelernt, dass Bestrafung (auch wenn sie als «Konsequenz» schlecht getarnt ist) nicht effektiv ist. Du kannst eine oder mehrere der folgenden Möglichkeiten ausprobieren:

1. Bitte ihn zuerst um eine Umarmung, anstatt ihm zu sagen, dass es Zeit ist zu gehen. Dann sage: «Ich kann kaum erwarten zu hören, wie viel Spass du heute im Klubhouse hattest. Erzählst du mir davon im Auto?»

2. Bitte um seine Hilfe. «Ich brauche deine Hilfe. Würdest du meine Handtasche für mich zum Auto tragen?»

3. Verwende Humor. «Hier kommt das Kitzelmonster, um kleine Kinder zu holen, die nicht bereit sind zu gehen.»

4. Biete ihm eine Auswahl an. «Ich frage mich, wie du heute Abend ins Auto kommst – hüpfst du wie ein Hase oder schwingst du deine Arme wie den Rüssel eines Elefanten?»

5. Bitte ihn, anderen zu helfen. «Sie sind bereit zu schliessen. Was könntest du tun, um ihnen zu helfen?», Oder «Frag doch nach, ob sie möchten, dass du das Licht ausschaltest oder die Tür für sie aufhältst.»

6. Gib ihm eine Uhr mit einem Sekundenzeiger und sage: «Ich brauche ungefähr zwei Minuten, um die Rechnung zu bezahlen. Achte darauf, dass der Sekundenzeiger zweimal herumläuft, und hole mich dann ab, wenn meine zwei Minuten abgelaufen sind.»

​7. Versuche, was ich die «Wippe» nenne. Nimm ihn bei der Hand und führe ihn sanft zum Auto. Wenn er sich widersetzt und an dir zieht, entspanne dich und lass deinen Arm locker. Er wird aufhören zu ziehen, wenn du aufhörst. Ziehe dann vorsichtig in Richtung Auto, bis er sich wieder widersetzt, und lasse dann wieder locker. Ich nenne es die Wippe, weil es so aussieht. Sage die ganze Zeit kein Wort, sondern gib mit deiner Körpersprache eine freundliche und bestimmte Botschaft . Sobald er sieht, dass du nicht gegen ihn kämpfen wirst UND du nicht aufgeben wirst, kann er sich entscheiden mit dir zu kommen. Der Schlüssel ist, keine Worte zu benutzen und gleichzeitig freundlich und bestimmt zu bleiben.

Viele Leute sehen einige dieser Ideen als «Belohnung für das Fehlverhalten» an. Wenn du falsches Zielverhalten verstehst, wirst du feststellen, dass sie den Kreislauf der Entmutigung durchbrechen und einem Kind helfen, sich besser zu verhalten, nachdem es sich besser fühlt. Einige der Ideen sollen das Kind von der Verwendung von «fehlgeleiteter Macht» zur Verwendung von «nützlicher Macht» umleiten.

Du hast die liebende Verbindung mit deinem Kind wiederhergestellt.

Es könnte dich etwas trösten zu wissen, dass dies ein häufiges Problem von Eltern 4-6-Jähriger ist. Ich hoffe, dass du eine Kopie von «Positive Discipline» (auf Deutsch: Kinder brauchen Ordnung) findest und den Abschnitt über falsche Ziele liest. Es wird dir helfen zu verstehen, dass die Art und Weise wie dein Sohn die Situation wahrnimmt sich SEHR von deiner Sichtweise unterscheidet. Ich vermute aus der Ferne, dass er sich überfordert und verletzt fühlt (was in keiner Weise bedeutet, dass du ihn verletzen wolltest, es ist nur seine Wahrnehmung). Der wichtigste Hinweis ist, dass seine Aussagen, die dich verletzend wahrscheinlich die schlimmsten Aussagen sind, die er sich ausdenken kann, um in jenem Moment sein Selbstbewusstsein wiederzugewinnen.

Du verstehst, dass er eigentlich Liebe braucht. Du hast es viel besser als die meisten Eltern geschafft, die liebende Verbindung mit deinem Kind wiederherzustellen und das Problem zu lösen. (Den meisten Eltern würde es nach dieser Art von Konflikt nicht in den Sinn kommen, eine Auszeit – oder wirklich eine Innig-Zeit – in einem Schaukelstuhl zu nehmen.) Beeindruckend!

Für deinen Sohn ist jeder Übergang eine Herausforderung. Insbesondere Übergänge, bei denen du die Regeln festlegst oder, genauer, wenn ER fühlt, dass du die Kontrolle hast und die Regeln festlegst. Dies bedeutet nicht, dass du keine Grenzen setzen solltest – du sollst. Aber wenn du es tust, nutze die Situation, um ihm so viel Kontrolle wie möglich zu geben, WÄHREND DU IMMER NOCH DEINE BEDÜRFNISSE UND DICH SELBST RESPEKTIERST.

Was war unsere Vereinbarung?

​Wenn er dir beispielsweise «zwei Minuten» sagt (er will die Zeit bestimmen), nutze diese Gelegenheit einfach etwas mehr. Hier ist ein Beispielgespräch:

Du: Wie viel mehr Zeit brauchst du?

Er: Zwei Minuten.
Du: Hmm … ich denke, ich kann dem zustimmen. Woher wissen du und ich, dass zwei Minuten vergangen sind?

Er: (er weiss es vielleicht nicht … aber einige Computerspiele haben eine Zeitanzeige, es kann eine Uhr im Raum sein oder es könnte eine Digitaluhr am Handgelenk von jemandem sein)

Du: Du sagst also, dass du etwas mehr Zeit brauchst und dass du in zwei Minuten bereit zu gehen sein wirst.

Er: Ja.

Du: Okay, das ist in Ordnung für mich. Ich werde die Rechnung bezahlen, zurückkommen und dann werden wir schauen, ob zwei Minuten vergangen sind. (Wenn du glaubst, dass es länger dauern wird, kannst du zu Beginn vorschlagen, dass heute sogar 3 oder 4 Minuten in Ordnung sein könnten. Es ist am besten, wenn du noch vor Ablauf der Zeit zu ihm zurückkehrst. Mach eine Bemerkung, dass die Zeit noch nicht ganz abgelaufen ist und sage … Ich bin bereit, aber gemäss unserer Vereinbarung ist deine Zeit noch nicht abgelaufen, also werde ich geduldig warten.)

Wenn es dann soweit ist, sagst du: Ok Schatz, jetzt ist die Zeit um.

Er: Aber ich will mehr Zeit.

Du: (freundlich, bestimmt, auf seiner Ebene) Was war unsere Vereinbarung?

Er: (Er wird wahrscheinlich streiten)

Du: Was war unsere Vereinbarung? (Dies muss möglicherweise wiederholt werden … und er wird wahrscheinlich eine Szene machen, aber du wirst respektvoll bleiben und er wird es «verstehen» und widerwillig einhalten. Ignoriere das Theater und sage einfach «Danke, dass du unsere Abmachung einhältst.»)

Ich hoffe, dass eine (oder mehrere) dieser Ideen für dich funktionieren!
Jane Nelsen

* Nur drei der vielen Bücher, die Jane Nelsen geschrieben, sind bis jetzt auf auf Deutsch übersetzt worden. Die Tabelle der falschen Verhaltensziele ist in allen der drei Bücher.

  • Der grosse Erziehungsberater, ISBN 3-423-36095-X
  • Kinder brauchen Ordnung, ISBN 3-905011-30-1
  • Die positive Auszeit, ISBN 978-3-7655-1422-7


Ich liebe dich und die Antwort lautet: Nein

Im letzten Blogeintrag hiess das Werkzeug «Verbindung vor Verbesserung», d.h. zuerst die Verbindung zum Kind herstellen und danach eine Kritik oder einen Verbesserungsvorschlag bringen. Dieses Mal setzen wir diese Idee mit einem gezielten Satz um: «Ich liebe dich und die Antwort lautet Nein.»
Jane Nelsen ist die Gründerin von Positive Discipline. In ihrem Blogeintrag, den ich hier übersetzt habe*, schreibt Dr. Nelsen über die Gratwanderung zwischen zu streng und zu freizügig sein. In der Erziehung in Beziehung lernen wir, dass weder das eine noch das andere für Kinder förderlich ist, sondern dass wir gleichzeitig freundlich (nicht freizügig) und bestimmt (nicht streng) sein sollen.

Und jetzt: Jane Nelsen. Geniesse die Lektüre!

Rudolf Dreikurs** betonte, wie wichtig es ist, in unseren Beziehungen zu Kindern gleichzeitig freundlich und bestimmt zu sein. Freundlichkeit ist wichtig, um Respekt gegenüber dem Kind zu zeigen. Bestimmtheit ist wichtig, um Respekt gegenüber uns selbst und den Bedürfnissen der Situation zu zeigen.

Autoritären Methoden mangelt es normalerweise an Freundlichkeit. Antiautoritäre Methoden sind nicht bestimmt genug. Freundlichkeit UND Bestimmtheit sind für die Erziehung in Beziehung (auf Englisch Positive Discipline) unerlässlich.

Viele Eltern und Lehrpersonen haben aus verschiedenen Gründen Schwierigkeiten mit diesem Konzept. Ein Grund ist, dass sie zu einem Kind, das sie gereizt hat, nicht freundlich sein wollen. Als Erwachsene müssen wir die Kontrolle über unser Verhalten vorleben, wenn wir möchten, dass Kinder lernen, wie sie selbst ihr Verhalten unter Kontrolle halten können. Manchmal sind es die Erwachsenen, die eine positive Auszeit nehmen müssen, bis sie sich besser fühlen, damit sie es dann besser machen können.
Ein weiterer Grund, warum es Erwachsenen schwer fällt freundlich und bestimmt zu sein ist, dass sie nicht wissen, wie sie gleichzeitig freundlich und bestimmt sein können. Sie stecken womöglich im Teufelskreis fest: sie sind erst hart und streng (unfreundlich bestimmt), weil sie mit dem Kind verärgert sind – oder, weil sie nicht wissen, was sie sonst tun sollen, und werden anschliessnd überfreundlich, um auszugleichen, dass sie vorher so streng waren.

Einer der grössten Fehler, den Eltern und Lehrpersonen machen, die sich für die Erziehung in Beziehung entschieden haben, ist, dass sie zu freizügig werden, weil sie nicht strafen wollen. Einige glauben fälschlicherweise, dass sie freundlich sind, wenn sie ihren Kindern gefallen oder wenn sie sie aus der Patsche retten und vor aller Enttäuschung schützen. Das ist nicht freundlich - es ist freizügig.

Freundlichkeit bedeutet, das Kind und sich selbst zu respektieren. Es ist nicht respektvoll, Kinder zu verwöhnen. Es ist nicht respektvoll, sie vor jeder Enttäuschung zu retten, damit sie nicht die Möglichkeit haben, ihre "Enttäuschungsmuskeln" zu entwickeln. Es ist respektvoll, ihre Gefühle zu bestätigen: "Ich kann sehen, dass du enttäuscht bist" (oder wütend oder verärgert usw.). Dann ist es respektvoll, an Kinder zu glauben, dass sie Enttäuschungen überleben und dabei ein Gefühl der Fähigkeit entwickeln können.

Eine wunderbare Möglichkeit, dieses Prinzip der Freundlichkeit und Bestimmtheit anzuwenden, besteht darin, den Ausdruck «Ich liebe dich, und die Antwort lautet "Nein"» zu verwenden.

 

​In der untenstehenden Audioaufnahme hört man auf Englisch wie Jane Nelsen mit ihrer jüngsten Tochter Mary Nelsen Tamborski diskutiert. Mary erzählt, wie sich eines Morgens ein Machtkampf mit ihrem vier-jährigen Sohn anbahnte. Er wollte etwas Süsses vor dem Frühstück haben. Nach dem dritten «Aber Mama…» merkte Mary, wie sie langsam genervt wurde (sie hatte ihren Kaffee noch nicht getrunken!). Dann ist ihr plötzlich dieses Werkzeug der Erziehung in Beziehung in den Sinn gekommen. Sie sagte einfach, «Ich liebe dich, und die Antwort lautet "Nein"». Sie war verblüfft, wie er daraufhin sein Frühstück akzeptierte.

"I Love You and the Answer is No" von Dr. Jane Nelsen & Mary Nelsen Tamborski. Veröffentlicht: 2011.

Nach dieser Geschichte erinnert uns Jane daran, dass kein Werkzeug immer wirksam ist. Deswegen bietet uns die Erziehung in Beziehung so viele davon an.
Und deswegen biete ich euch diesen Blog an! Jeden Monat ein Werkzeug, das euch hoffentlich zum Wohlergehen der ganzen Familie verhilft. ​
* Meine Übersetzung wird jeden Monat von Tanja Titschkau überarbeitet und wesentlich verbessert! An Tanja einen grossen Dank.
** Positive Discipline basiert auf das Lebenswerk von Rudolf Dreikurs und Alfred Adler, beide bedeutende Psychiater und Forscher des 20. Jahrhunderts.


Zuerst die Verbindung! Connect first!

Mein zweiter Blogeintrag! Ich habe erneut einen Artikel von Positive Discipline Gründerin Jane Nelsen übersetzt. Das Werkzeug, das sie dieses Mal erklärt, heisst «Connection before Correction» – was ich als «Verbindung vor Verbesserung» übersetze. Es ist klar, dass ich dies als eines der wichtigsten Konzepte in der Erziehung in Beziehung (Positive Discipline) empfinde, da ich es in meinem Namen „Connections – Erziehung in Beziehung“ aufgenommen habe!

Und jetzt soll Verbindung besonders gross geschrieben werden:
Erstens, weil die Advent- und …
Weihnachts-Zeit so voll mit Familien-Ritualen ist, und zweitens, weil dieses Corona-Jahr uns so viele zwischenmenschlichen Verbindungsmöglichkeiten gestohlen hat. Das empfinden viele Kinder zutiefst und brauchen starke, tragende Verbindungen umso mehr. Ich hoffe, dass du besonders schöne Momente mit deiner Familie erleben darfst.

Und jetzt: Jane Nelsen. Geniesse die Lektüre!​​

Das einzige Werkzeug aus der Erziehung in Beziehung (Positive Discipline), von dem ich wünschte, ich hätte es konsequenter verwendet, ist Folgendes: «Verbindung vor Verbesserung» («Connection before Correction» auf Englisch). Natürlich wusste ich als junge Mutter nicht, was dies bedeutet, und ich habe es erst vor ungefähr fünf Jahren als Werkzeug für Positive Discipline entwickelt. Inzwischen wissen wir, dass auch die Gehirnforschung belegt: Kinder lernen (wachsen, fühlen sich sicher, gedeihen, …) am besten, wenn sie sich verbunden fühlen – oder wie Alfred Adler und Rudolf Dreikurs uns beigebracht haben: «ein Gefühl der Zugehörigkeit und Wichtigkeit haben».

Umfangreiche Untersuchungen zeigen, dass wir Kinder erst dann positiv beeinflussen können, wenn wir eine Verbindung zu ihnen herstellen. Es ist eine Gehirn- (und Herz-) Sache. Manchmal müssen wir aufhören, uns mit dem Fehlverhalten zu befassen, und zuerst die Beziehung heilen.
Verbindung schafft ein Gefühl von Sicherheit und Offenheit. Bestrafung, Vorträge, Nörgeln, Schelten, Beschuldigen oder Schämen führen zu Kampf, Flucht oder Erstarren.

Eines meiner Lieblingsbeispiele für „Verbindung vor Verbesserung“ ist: „Ich liebe dich; und die Antwort ist nein.». Dieses Beispiel zeigt auch das Positive Discipline Konzept von «gleichzeitig freundlich und bestimmt sein».

Bevor ich weitere Möglichkeiten zum Herstellen einer Verbindung mit Kindern erläutere, möchte ich auf Folgendes hinweisen: es ist ein Fehler zu glauben, dass es effektiv ist, Kindern zu geben, was sie wollen. Kindern aus der Patsche zu helfen, alle ihre Probleme zu lösen und sie überzubehüten stellen keine tragfähigen Verbindungen her. Effektive Verbindungen werden gefördert, wenn sich sowohl Kinder als auch Erwachsene zugehörig und bedeutungsvoll fühlen. Die meisten Elternwerkzeuge aus der Erziehung in Beziehung bieten die Möglichkeit, die Verbindung zum Kind zu verbessern oder wiederherzustellen.

​Solche Werkzeuge werden ausführlicher in meinem Kartenset besprochen[1]. Hier ist eine Vorschau:

  • Verbringen Sie besondere Zeit mit Kindern. Was könnte eine größere Verbindung für Ihr Kind schaffen, als zu wissen, dass du gerne Zeit mit ihm oder ihr verbringst?​​
  • Hör mal zu. Höre wirklich zu. Hör auf zu tun, was auch immer du machst, und widme deinem Kind deine volle Aufmerksamkeit.
  • Bestätige die Gefühle deines Kindes. Fühlen wir uns nicht alle verbunden, wenn wir uns verstanden fühlen?
  • Teile gegebenenfalls deine eigenen Gefühle und Gedanken mit. Denke daran, dass Kinder zuhören, nachdem sie sich zugehört fühlen. Kinder fühlen sich verbunden, wenn du respektvoll etwas über dich selbst teilst.
  • Respektvoll heisst: keine Geschichten über kilometerlange Spaziergänge im Schnee.
  • Konzentriere dich nach einer Bedenkzeit, der ein Konflikt vorausging, auf Lösungen MIT Kindern. Hier taucht das Wort «mit» wieder auf, weil es eine goldene Brücke zur Verbindung ist.
  • Stelle Neugier-Fragen, um Kindern zu helfen, die Konsequenzen ihrer Entscheidungen zu erkunden, anstatt ihnen Konsequenzen aufzuerlegen. Ernstgemeinte Fragen öffnen das Herz und das Gehirn – und das bedeutet Verbindung.
  • Umarmungen. Es gibt Momente, in denen wir alle nur eine Umarmung brauchen.

Sobald die Verbindung hergestellt ist, sind Kinder offen für ein respektvolles Gespräch über Verbesserungsmöglichkeiten.
Es ist wichtig zu verstehen, dass sich «Verbesserung» in der Art von Positive Discipline stark von der herkömmlichen «Verbesserung» unterscheidet. Der größte Unterschied besteht darin, dass die konventionelle Verbesserung normalerweise mit Bestrafung verbunden ist (Strafauszeit und Wegnahme von Privilegien sind am häufigsten). Mit anderen Worten, die konventionelle Verbesserung besteht darin, dass Erwachsene Kindern etwas ANtun. Eine Verbesserung nach der Erziehung in Beziehung behandelt Kinder respektvoll und findet Lösungen, wann immer möglich, MIT ihnen.

Zwei großartige Methoden, um Lösungen zu finden, sind der Familienrat/Klassenrat und die gemeinsame Problemlösung. Bei beiden mächtigen Werkzeugen werden Kinder respektvoll einbezogen, um ihre persönlichen Stärken auf beitragende Weise zu erlernen und einzusetzen. Die Verbindung wird durch den Prozess (Familienrat oder Problemlösung) automatisch gefördert.

Wenn Kinder eine Verbindung spüren, fühlen sie sich zugehörig und wichtig. Oft reicht das aus, damit das Fehlverhalten aufhört. Beachte beim Erlernen der vielen Werkzeuge der Erziehung in Beziehung, dass sie alle darauf ausgelegt sind, vor einer respektvollen Korrektur eine Verbindung herzustellen.

[1] Es gibt ein Deck mit 52 Karten, die je ein Werkzeug kurz erläutern, wie oben abgebildet. 52 Karten für 52 Wochen! Jane nimmt jede Karte in ihrem Blog dran.


die Kontrolle über dein Verhalten

Mit Freude verkünde ich den Start meines Blogs! Einmal im Monat will ich Eltern, Lehrpersonen und anderen, die mit Kindern zu tun haben, Tipps aus dem Reichtum der Erziehung in Beziehung («Positive Discipline» auf Englisch) weitergeben. Ich werde Juwelen von Jane Nelsen, der Gründerin von Positive Discipline, übersetzen. Ich bin sehr begeistert von dieser wunderbaren Frau und teile ihre hilfreichen Gedanken über tag-tägliche Themen mit Vergnügen mit. Für die, die ihre Worte lieber in der original Fassung lesen möchten, ist hier der Link: Control your behavior Blogpost

Und jetzt: Jane Nelsen. Geniesse die Lektüre!​

​Die Erziehung in Beziehung hat viele «Werkzeuge», die wir Erwachsenen einsetzen können. Eines davon heisst «Kontrolle über dein Verhalten ». Das ist manchmal leichter gesagt als getan! Hast du nicht auch schon, so wie ich, die Kontrolle über dein Verhalten gegenüber deinen Kindern verloren? Glücklicherweise können wir ein anderes Eltern-Werkzeug, nämlich „Fehlerbehebung“, verwenden, um nach einem Kontrollverlust über unser Verhalten die Beziehung wiederherzustellen. Aber es ist immer besser, wenn wir Wege finden, damit wir überhaupt gar nicht erst die Kontrolle verlieren.

​Mit dem Werkzeug „ Kontrolle über dein Verhalten “ bekommen wir drei Vorschläge:

1. Erstelle deinen eigenen speziellen Auszeitbereich [i]

und teile deinen Kindern mit, wenn du ihn benötigst. Einige Eltern fühlen sich mit dieser Lösung nicht wohl, insbesondere im Umgang mit jüngeren Kindern. Wenn deine Kinder jedoch älter sind und du das Thema der positiven Auszeit mit den Kindern schon im Voraus besprochen hast, kann es sehr effektiv sein. Es ist fast unmöglich, Probleme in Konfliktzeiten zu lösen, wenn sowohl das Kind, als auch die Eltern die Kontrolle über sich verloren haben. Dann sind die Ergebnisse Distanz und verletzte Gefühle. Normalerweise gefolgt von Schuldgefühlen. Lasse deine Kinder wissen, dass du eine Auszeit nimmst. Entferne dich aus der Situation und festige dich emotional, bevor du versuchst das Problem zu lösen. Es ist deine Sache, wie du deine Auszeit nimmst. Vielleicht gehst du in dein Zimmer. Vielleicht gehst du spazieren. Oder du rufst einen engen Freund/einer enge Freundin an und besprichst das Problem. Für was auch immer du dich entscheidest: es ist wichtig dir Zeit zur Beruhigung zu nehmen, bevor du das Problem angehst.​

​2. Wenn du die Situation nicht verlassen kannst, zähle auf 10 oder atme tief durch.

Dies ist eine gute Lösung wenn du jüngere Kinder hast oder die Situation deine Anwesenheit erfordert. Es ist auch in Ordnung mitzuteilen, was du fühlst: «Ich bin gerade so wütend, dass ich mich beruhigen muss, bevor wir reden.» Kinder müssen wissen, dass das, was sie fühlen immer in Ordnung ist, aber dass das, was sie tun nicht immer in Ordnung ist. Wenn du deine Gefühle teilst und nicht aus ihnen heraus handelst, bist du ein gutes Vorbild und machst deine Kinder nicht für deine Gefühle verantwortlich. Vermeide es zu sagen: «Du machst mich so wütend.»

​3. Wenn du Fehler machst, entschuldige dich bei deinen Kindern.

Kinder können wunderbar verzeihen, wenn wir uns die Zeit nehmen, uns aufrichtig zu entschuldigen nachdem wir die Kontrolle verloren haben. Während meinen Vorlesungen frage ich: «Wie viele von euch haben sich bei einem Kind entschuldigt?» Jede Hand geht nach oben. Ich frage dann: «Was sagen sie?» Die universelle Antwort von Kindern, die von Eltern um Verzeihung gebeten wurden, lautet: «Ist in Ordnung.»

​​Durch die Entschuldigung hast du eine Verbindung hergestellt (Nähe und Vertrauen). In dieser Atmosphäre kannst du gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Du hast erneut gezeigt, dass Fehler Lernmöglichkeiten sind und du dich anschliessend auf Lösungen konzentrieren kannst.

Um zu zeigen, dass wir alle Fehler machen, hat Jane von einem Erlebniserzählt, bei dem sie sich einmal nicht im Griff hatte. Sie war so wütend auf ihre Tochter, dass sie ihr gesagt hat: «Du bist ein verzogenes Gör!». Die Tochter ist in ihr Zimmer gerannt und sagte bevor sie die Tür zu schletzte: «Komme ja nicht in mein Zimmer, um ‘Es tut mir leid’ zu sagen!» Jane ging aber trotzdem nach einer Weile zur Tochter ins Zimmer, wo die Tochter das Buch von Jane in den Händen hatte und ganze Stellen durchstrich und in den Rand «Lügnerin!» schrieb. Am Schluss konnten sie sich trotzdem wieder versöhnen. Jane erzählt diese Geschichte in einer Audioaufnahme. Es ist sehr unterhaltsam, wenn du etwas Englisch verstehst. Auf diesen Link klicken und dann bis fast ganz unten scrollen. Jane Nelsen and her daughter

mit lieben Grüssen KC